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Hürth, den 24. Dezember 2004
Immer mehr Weihnachtsmänner nehmen sich Jahr für Jahr vor den
besinnlichen Tagen das Leben. Ein viel zu oft totgeschwiegenes Thema
in den deutschen Medien. Bisher ist auch noch nicht viel über das
genaue Suizid-Motiv dieses Weihnachtsmannes bekannt, der sich in Hürth
erhängte. Unsere Redaktion sprach exklusiv mit dem Toten, er lehnte
bisher jedoch jeglichen Kommentar ab.
Es wird vermutet, der Weihnachtsmann
habe seinen Beruf an den Nagel gehängt, da er mit traditioneller
Technik die ganzen Geschenke nicht mehr transportieren könne und
sich in Folge dessen vollkommen überarbeitet habe.
Rudi, Chief Operator
of Gift Movement and Personal Transports im Weihnachtsmann-Konzern,
bestätige auf der heutigen Pressekonferenz, dass es von Jahr zu Jahr
schwerer wurde die alten Schlitten in der Luft zu halten. Um die weihnachtliche
Versorgung zu gewährleisten, sei man auf die Mithilfe von Kurierdiensten
angewiesen, da man bereits zu viele Weihnachtsmänner in den letzten Jahren
verloren habe. Neuere Transporter währen in der Erprobung, stehen jedoch
zu häufig mit Elektronikdefekten in der Werkstatt. Für die Abschaffung
des Schlittens ist das Automobil nicht mehr zuverlässig genug.
Man bedaure ebenfalls, dass das Markenzeichen des Konzerns nun geändert
werden müsse, da man sich nach vom den Suiziden der Weihnachtsmänner
distanzieren möchte. Ein Ideen-Wettbewerb mit tollen Sach- und Geld-Preisen
ist in der Vorbereitung und man sei zuversichtlich, im nächstes Jahr wieder
mit neuem Konzept in der Oberliga religiös angehauchter Rituale mitzuspielen.
Die Aktionäre huldigten diesen Optimius nicht. Die durch die schlechte
Auftragslage bereits ins Wanken geratene Aktie verlor nach dieser Meldung beinahe
20 Prozentpunkte.
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Weihnachten am seidenen Faden? (foto: atrops.com) |
Ein klassisches Burn-Out-Syndrom, an dem auch viele Menschen mit stressigen
Berufen leiden wurde dem Weihnachtsmann offenbar zum Verhängnis. Nach dem Absturz
quälen meist Minderwertigkeits-Komplexe und Versagensängste den Betroffenen.
Dabei hat die durch eine Verwechslung von Nikolaus und Christkind und viel Public Relations
aus dem Weihnachtsmann-Konzern entstandene Phantasiefigur, doch jahrezehntelang Millionen
von Kindern mit Geschenken versorgt - zuverlässiger als die Deutsche Post und
pünktlicher als die Deutsche Bahn.
Die anfängliche Vermutung, der Weihnachtsmann sei versehentlich einem
Kinderstreich zum Opfer gefallen, konnte nach bisherigem Ermittlungsstand
nicht bestätigt werden. Es konnte den Nachbarskindern nicht bewiesen werden,
dass sie das Seil als Falle nutzen, um den Weihnachtsmann vom einfliegenden Schlitten
herab abzufangen.
Die Reaktionen auf diese Nachricht reicht von Betroffenheit bis zu geschäftigen
Treiben. Gerüchte tauchten auf, dass ein namhafter Zustell-Service seine Fahrzeuge
in weihnachtsrot umlackieren möchte und nur noch bärtige Mitarbeiter als
Kurierfahrer einsetzen möchte, um zur Weihnachtszeit mehr Aufträge zu erhalten.
In diesem Sinne, können wir optimistisch bleiben, dass die Marktwirtschaft dieses
Problem selber lösen wird und uns Weihnachten und Weihnachtsmänner in ausreichender
Menge erhalten bleiben.
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