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> > > Ist Gott nicht = Evolution? Halt Definitionssache...
> > Werken nicht schon genug starke und natürliche Kräfte, um Evolution
> > anzutreiben? Braucht es dafür noch eine göttliche Kraft?
> Wenn man Gott=Natur setzt, stellt sich die Frage nicht.
Wenn man alle Fragen für beantwortet erklärt, stellen sich überhaupt
keine Fragen... man sollte aber nicht davon ausgehen, dass man mit den
Antworten etwas anfangen könnte...
Wenn man sich die Evolution unseres christlichen Gottes ansieht, dann
setzt Du übrigens Krieg=Natur, schließlich entstand unser Gott aus der
Vorstellung, dass man sich einen Superkrieger in eigenen Armee wünschte,
der einem in der Schlacht beisteht und die Feinde vernichtet. Darum haben wir ja heute
noch einen (1,0) Gott, der aber immer unterwegs zu sein scheint, um allen Armeen beizustehen.
Kein Wunder also, dass er ansonsten kaum mehr zu etwas kommt.
Es gibt Fragen, die sind unangenehm, weil man sich mit Dingen auseinandersetzen
muss, die das eigene Leben oder den eigenen Wert betreffen.
Werde ich Organspender? Mich damit zu beschäftigen, bedeutet sich
Gedanken darüber zu machen, dass ich sterbe. Dann schneiden die mich
auf, nehmen mich auseinander und verbuddeln die Reste. Dabei will ich doch
weiterleben, gesund, munter und auch vollständig im Himmel, neben Gott.
Zerschnippelt zu werden weckt da keine angenehmen Gefühle, oder?
Ist das Leben seine Durchführung wert, wenn wir sowieso sterben?
Hat das Leben einen Sinn, wenn alles Nachfolgende stirbt und die
Enkel Deiner Enkel nichtmals mehr wissen, welchen Namen Du getragen
hast, geschweige denn, wie Du gelebt hast? Vielleicht finden sie
in den Archiven Deine Homepage wieder, das ist schon mehr als Du
vermutlich von Deinen Ururgroßeltern weißt.
Kennst Du die Namen Deiner Urgroßeltern? Das ist noch eine Generation
weniger.
Wenn man das Leben nun nichtmals mehr als Wert begreift, sondern
als Abfolge von Stromschwankungen im Kopf und Hormonschwankungen im
Blut, dann ist das auch nicht ein angenehmer Gedanke, oder? Es ist kalt,
maschinell, tot.
Aber so scheint das Leben zu sein und es ändert auf diesem Planeten
doch nicht wirklich etwas. Ob Zuneigung nun die Verschmelzung zweier
Seelen ist oder ein hormongesteuerter Kompatibilitätsabgleich zwischen
Genen, ändert an der erlebten Zuneigung doch nichts. Der Ursprung ist
ein anderer, weniger romantischer, aber die Zuneigung ist dennoch
existent und real.
Ob sich jemand in 5 Generationen an mich erinnert? Unwahrscheinlich,
aber ansonsten gäb es die nächsten 5 Generationen auch nicht.
Wenn mein wertloses Leben ein anderes wertloses Leben etwas Glück
oder Freude bringt, dann ist es doch nicht mehr wirklich wertlos. Sei es
auch nur, dass der Hormonspiegel anderer Menschen für einen Moment
einen als angenehmer empfundenen Wert hat.
Die Qualität einer angenehmen Existenz und die Steigerung dieser
Qualität für nachfolgende Generationen ist durchaus ein Wert, der
wissenschaftlich fassbar, von jedem einzelnen hochgradig beeinflussbar
und doch irgendwo auch spirituell ist, da er nicht durch eine
Maschine produziert werden kann.
Einen bisschen zur Qualität beizutragen reicht als Lebensziel vollkommen
aus, es wirft nämlich Zinsen, nicht nur in den nächsten 5 Generationen.
Ein Lächeln kann der Ursprung alles Guten sein.
Seinen Zorn mal zu halten und stattdessen ruhig und besonnen zu agieren, statt sich
darüber aufzuregen, dass etwas schief gegangen ist, die Wut nutzen, um die Dinge
in die richtige Richtung bewegen.
Es ist auch mehr Lebensziel, als die meisten Menschen zur Zeit besitzen.
Und es ist für alle Menschen erreichbar, ein sinnvolles und wertvolles Leben
zu führen. Ein Lächeln, ein freundliches Wort genügt. Einen Menschen an die
Hand zu nehmen und anzuleiten, wenn er Hilfe gebrauchen kann oder durch ein
Wort oder Lächeln aufzumuntern und man hat den Wert des eigenen Lebens vermehrt
Es liefert damit auch einen christlichen Wert, einen fassbaren Wert,
ob ein Leben wertvoll, verwirkt oder gar schlecht verlaufen ist. Es
liefert eine Lebensorientierung, die ohne einen theoretischen Gott oder
eine Kirche auskommt und dennoch Zufriedenheit mit der eigenen Existenz
geben kann.
Ich kann mir vorstellen, dass diese Betrachtung irgendwann Religionen
ablösen kann. Der Buddhismus bietet ja auch keinen Gott zur Verehrung an,
sondern nur einen möglichen Weg, ein gutes Leben zu führen.
Wenn es einen Gott gibt, der so ist, wie es die christliche Kirche
beschreibt, dann wird er uns sicherlich vergeben, dass wir ihn zu Lebzeiten
nicht übertrieben durch Äußerungen verehrt haben, er wird aber vielleicht
unsere Handlungen im Umgang miteinander schätzen.
Ich bin übrigens Organspender und trage meinen Organspendeausweis immer mit
mir.
Ich bin auch kein Atheist, denn ich begreife diese Welt auch nicht ohne diese
Gedankenkrücke. Wenn tagelang ein Ölteppich eines gesunkenen Ölfrachters
auf ein Inselparadies, einen einzigartigen Lebensraum, zutreibt und dann der
Wind kurz davor noch unerwartet die Richtung wechselt und das Öl an der
Insel vorbei in die offene See abtreibt, dann ist das schon etwas verwunderlich.
Niemand sprach da von Gott, aber irgendwie hatte ich da so ein Hormon im
Blut...
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